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Herzlich willkommen im Werratal, am Rennsteig und Eisenach

   Willkommen in den Ortsteilen von Eisenach

Die Geschichte von Neuenhof

     verfaßt von  Kurt Leischner 1992

Ortschronist aus Neuenhof an der Werra

    

 

 

 

Kirche in Neuenhof (Zeichnung v. H.Bock)

 

Baujahr unbekannt.

Turm aus dem 15.Jahrhundert,Erneuerungsbau 1794 und 1898

 

 

Unsere Heimatgemeinde Neuenhof liegt im schönenThüringer Land.

 

Hier im Werratal ,am nordwestlichen Ende des Thüringer Waldes, nahe der berühmten Porta Thu-

ringia, siedelten unsere Vorfahren. Viele offenen Fragen über die Vergangenheit sind nicht geklärt.

Ich will versuchen, anhand der überlieferten Berichte unseren Landsleuten ein Bild  über die Ge-

schichte unseres Dorfes und der engeren Region zu vermitteln. Sicher sind weit früher, als es die

schriftlichen Überlieferungen nachweisen, Menschen hier gewesen.

Die Flußauen der Werra und Hörsel waren Durchgangswege von Pflanzen, Tieren und der Men-

schen. Viele Funde beweisen dies. Ebenfalls liegt die Vermutung nahe, daß die nahe Werrafurt bei

Wartha als bequemere Übergangsstelle über die frühere unwirtliche Flußaue und das westthürin-

gische Waldgebiet zum zentralen Siedlungsgebiet der Thüringer gedient hat. Der noch heute be-

kannte Botenweg lief, von Hessen kommend, über den Rennsteig ins Thüringer Land. Neben der

langen Hessen von Kassel über Creuzburg nach Eisenach und der kurzen Hessen von Hersfeld über

den Clausberg nach Eisenach war der Botenweg eine schnelle Verbindung zwischen diesen Hauptli-

nien. Er verband dabei auch den alten Thüringer Ringgau mit der  Zentrale.

Unsere westthüringer Mundart mit ihrer charakteristischen Ausdrucksweise wird in dem Gebiet ge-

sprochen, das folgendermaßen einzugrenzen ist: zwischen Rhön, Eichsfeld, Hainich, Ruhla, Bad

Salzungen, durchflossen von der Werra und Hörsel, liegt das Gebiet der Westthüringer. Unsere

Heimat liegt im Zentrum dieses Mundartgebietes. Stammesgeschichtliche Zusammenhänge sind also

unbedingt daraus zu folgern. Nach Erkenntnissen und Forschungen bekannter Geschichtsschreiber

erfolgte  im 8. Jahrhundert die entscheidende Besiedlung unseres Raumes.

 

Ich will versuchen, in chronologischer Reihenfolge die Vorgänge darzustellen.

718-719  erfolgte die Christianisierung unserer Gegend unter Bonifatius

725        der fränkische Lupnitzgau bildet sich

744        findet die Gründung des Klosters Fulda statt. Das Lehnswesen entwickelt sich. Im

                        Mittelpunkt der neuen Siedlungen stand der Hof des adeligen Lehnsnehmers von

                        einheimischen Thüringern. Das Westthüringer Sprachgebiet weist einschließlich des

              Ringgaues starke Anklänge zum südthüringischen, also fränkischen Sprachgebiet auf. Es

              unterscheidet sich vom zentralthüringer Gebiet.

744         Das Königgut Gerstungen (15 km werraaufwärts) wird dem Kloster Fulda geschenkt. Es

              war ursprünglich ein Freidorf und dazu gehörten die Siedlungen Untersuhl, Dankmarshau-

              sen, Süß und Neustädt.

768         kommt Lupnitz an den Bischof zu Mainz

770         das Kloster Hersfeld wird gegründet. Mihla und Crezuburg sind damit  verbunden

779         Einstige fuldaische Dörfer unseres Raumes gehen an Hersfeld.In dieser Zeit geht    

             die Sprachlautverschiebung  vom Althochdeutschen und Niederhochdeutschen

              zum Mittelhochdeutschen. Diutisc - Teutisci - Deutsche.

               Im Neuenhöfer Dialekt heißt es noch heute für deutsch ditsch.

780         Die vorherrschende Organisationsform der grundherrlichen Gewalt entwickelt sich zum

                   Fronhof. Fronen kommt vom althochdeutschen Fro, das heißt Herr.Der Fronhof

               oder dieMeierei ist das System der Naturalwirtschaft des Adels und der Klöster.

           

 

Die dritte Siedlungsperiode

            Sie wurde meist von der geistlichen Herrschaft der Klöster organisiert.

802-803            Ließ Kaiser Karl das Recht der Angeln und Warnen, also der Thüringer,aufzeichnen.

839        In Thüringen werden Herzöge, Markgrafen und Landvögte eingesetzt und

              mit Land belehnt. Sie haben die Grenzsicherung gegen die Slaven zu übernehmen.

 

850        Die nordischen Wikinger dringen mit ihren Booten über Weser und Werra (die

              damals noch Wisera hieß) in das Land ein. Es werden achtzehn Burgen als

              hersfeldisch Lehen bezeichnet.

 

876        Die Nordmänner werden geschlagen. Vierhundert von ihnen bleiben im Land.

              Der Normannstein bei Treffurt und der Brandenfels im Ringgau erinnern daran.

 

908        Die Ungarn fallen in Thüringen ein.

 

919        König Heinrich der 1. kommt als Sachsenherzog an die Macht

 

932        Hörschel wird als "Hursilagemundi" erstmals erwähnt. Hörsel - Rößleinfluß -

              sich rasch bewegendes Wasser

 

955        Werden slawische Kriegsgefangene angesiedelt. Stedtfeld, die Siedlung am

              Ehrensteig vor Eisenach,  und Wünschensuhl (Wendensuhl) erinnern daran.

 

973        Erste Nennung von Creuzburg. Es ist ein (Curtis regina) Königshof.

 

974         Kommt Creuzburg an das Kloster Fulda. Es kommt zur westthüringischen

               Germaramark.

 

975         Es kommt die Zweinamigkeit auf. Oft ist es ein Spitzname bzw. der Zweitname

               zeigt Herkunft und Tätigkeit an.

 

979         Es kommt zum Hörselstreit zwischen den Machtinteressen der Klöster Fulda

               und Hersfeld. Die Hörsel war als Grenzfluß zwischen den Gauen Gerstungen

               und Lupnitz und damit auch zwischen Hersfeld und Fulda festgelegt.          

 

979         Zum Streit: Die Hersfelder hatten ein Fischwehr gebaut und den Bootsverkehr

               damit unmöglich gemacht. Die damaligen Flüsse Werra und Hörsel waren wasser-

               reicher als wir das heute kennen, und sie waren wichtige Verkehrswege im uner-

               schlossenen Urwald und versumptem Auegebiet. Werner Abt von Fulda verklagte

               Abt Gozbert von Hersfeld beim König Otto II (973-993). Der König entschied wie

               ehemals sein Vater Heinrich I. Der Abt und das Kloster Fulda haben das Recht der

               Schiffahrt und des Fischfanges auf und in der Hörsel. Die Hersfelder durften aber ihre    Fischwehre behalten und weiterfischen. Sie erhielten aber die Auflage,

               die Wehre so einzurichten, daß zwei Flußboote von je 3 Fuß Breite ungehindert

               passieren können.

 

1014       Der Wildbann der Mark Lupnitz, seine wildreichen Wälder nördlich der Hörsel,

               werden Heinrich II durch Schenkung an das  Kloster Fulda gegeben.

 

1016       Der Wildbann des Klosters Hersfeld wird bis Salzungen ausgedehnt. Damit

               entsteht eine Machterweiterung der dort herrschenden Dynastie, der Franken-

               steiner. Unser Gebiet gehörte zu diesem Territorium.

               Der König verbietet im "großen Forst" zum Schutz des königlichen Wildbannes

               innerhalb des Gebietes die Rodung und die Anlage von Siedlungen.

               (Das Wildbret ist neben dem Fisch eine wichtige Fleischnahrung, andererseits

               ist die Jagd auch eine königliche privilegierte Beschäftigung.

 

1019       Heinrich der II schenkt dem Kloster Kaufungen, den Benediktinern, den Königshof

               Hereicheshusen - Herleshausen. Dazu gehören die Siedlungen Wartha, Lauchröden

               Sallmannshausen und Wommen. König Konrad, ein Salier (damit aus dem Ge-

               schlecht der Frankensteiner, einer Seitenlinie der Henneberger), kommt zur Macht.

               Unser Gebiet liegt dadurch in diesem Herrschaftsbereich zwischen Salzungen

               und Thüringer Wald im großen Werrabogen.

 

1074       In Gerstungen finden Verhandlungen zwischen König Heinrich IV und den auf-

               ständischen Thüringern und Sachsen statt.

 

1155 -     Stedtfeld als Stetifeld wird erstmalig genannt. Das Kloster Fulda besaß dort

1166       slawische Untertanen.

 

1075       In Spichra,  als Spihara  benamt, kommt es zur Unterwerfung des  aufständi-

               schen Thüringer Adels

 

1235-      Beginn des Baues des Dominikanerklosters in Eisenach (Bettelorden) .

 

 

1240       Der Landgraf schenkt dem Kloster viele Güter und Rechte. Bald gehören ihm

               300 Acker Wald, Fischteiche und Feldfruchteinnahmen, unter anderem von

               Großbehringen, Siebleben, Krumbach, Westhausen, Burkhardtroda und Neuenhof.

               (Hier steht die Frage, ob dies unser Neuenhof war?)

 

1236       Wird der Ort Salmanshusin - Sallmannshausen genannt.

 

1279       Der Graf zu Brandenburg verkauft an das Eisenacher Katharinenkloster den Ort

               zu der "Warth". Damit wird Wartha erstmalig erwähnt.

 

1283       Die sogenannte Lange Hessen wird mit Straßenzwang und Zolleinnahmen belegt.

 

1281       Die Grafen von Brandenburg verlieren ihren Grafentitel

 

1290       Landgraf Ludwig der Entartete gibt die Brandenburg an Apitz

 

1306       Apitz verpfändet die Westbrandenburg an die Stadt Erfurt

 

1322- 1383  Die Westbrandenburg ist im Besitz der Familie von Heringen

 

1330       Die Frankensteiner verkaufen im August 1330 einen Großteil ihres Besitzes

               an die Henneberger (Sitz in Schleusingen ). Die ehemalige mächtige Dynastie

               der Frankensteiner geht politisch und familiär zu Ende. In der Verkaufsurkunde gehen

               74 benamte Höfe an die Henneberger, ein Rest an das Kloster Hersfeld. Es wird

               dabei der Ort Neuenhof als Newinhain bzw. Newinhoffe, der Hof des Rangin

               (Rangenhof), die Grenze zwischen Stedtfeld und Eisenach bei Rammisleyb'n

               (Ramsborn) benannt.  Der Rennsteig wird ebenfalls erstmalig dreimal in der Urkun-

               de als Rynnestieg bezeichnet.

 

1340       Göringen wird erstmals als Besitz der Ritter der Brandenburg erwähnt.

 

1348       Wird erstmals genannt "Thüringer Wald" und "Frankenwald"

 

1347       Krauthausen erstmals genannt

1365       Der Zins von einem Teil von Hörschel wird von Reinhard von Brandenburg an das Marien
               stift in Eisenach verkauft.

1359       Bodo und Bertha von Reckrodt verpfänden Göringen an die Besitzer der Ost-Brandenburg
               von Herda

 

1378       Der Ort Erdingbrücken  wird als fürstliches Lehen vom adeligen Herrn von Reckrodt

               gekauft. Der Forstort und das Grundteil von Neuenhof, Herrenbrücken, erinnert an

               die Wüstung.

 

1383       Die Verpfändung der West-Brandenburg an die Stadt Erfurt

 

1396       Die Brandenburg und Erfurt werden von Markgraf Wilhelm von Meißen erobert.

               Im Friedensvertrag von Weißensee heißt es:       "So umb Brandinberg daz Sloss,

               daz gewonnen ist in offener Fehde ..." . Damit endet die Sicherung der "Hohen

               Straße" nach Thüringen durch die Brandenburger.

 

1405       Der Ritter Johann vom Stein auf Burg Liebenstein verkauft Kemenate und Ort

               "Zu dem Nuwenhoffe gelegen unter der Brandenburg" an Hellwig von Ruckus

               für 300 Florint. Sie  hatten es vorher als hersfeldisches Lehen von der Familie

               von Nesselröden empfangen. Gleichzeitig empfahl der Beamte des Landgrafen,

               Thomas von Buttelstedt, bei dem Dorfe Neuenhof eine Brücke mit Schlagbaum

               über die Werra zu bauen und einen Bergfried zur Sicherung des Verkehrs nach

               Hessen zu errichten.

               (Die Deutung paßt sehr gut in den überkommenen Werraübergang bei Wartha

               und in die starkwandige Kirchturmkonstruktion über dem hohen Neuenhöfer

               Werraufer).

 

1415       Die Ost-Brandenburg wird als Besitz der Herren von Herda beschrieben

 

1411-1434   Georg von Reckrodt I wird Lehnsmann der West-Brandenburg. Er heiratet Gertrud,

                     die Tochter des Hellwig von Ruckus.

 

1441       Georg I wird mit dem Dorf Neuenhof belehnt. Der Neuenhof steht bis zur Ver-

               schenkung an das Land Thüringen im Jahre 1936 im familiären Zusammenhang

               der West-Brandenburg und den adligenFamilie von Reckrodt, Riedesel und von

               Rotenhan.

 

1492       Die Witwe von Bertl von Reckrodt überweist der Kirchgemeinde Neuenhof einen

               Pfarrhof mit Äckern, Wiesen und etlichen Zinsen. Damit wird Neuenhof ein selb-

               ständiges Kirchdorf. Bisher war das Patrionat den Stedtfelder Herren und Pfarrer

               unterstellt.

 

1517       Diese Jahreszahl soll unter dem Putz an der südlichen Ecke des Neuenhöfer

               Kirchturmes stehen. Ebenfalls soll in der Sakristei ein Taufbecken mit der gleichen

               Jahreszahl gestanden haben. Die beiden kleinen Glocken der Kirche weisen durch

               ihren Gießer Caspar Balthasar Melchior Lucas auf das Entstehungsjahr im 15.

               Jahrhundert hin.

 

1525       Wütet der Bauernkrieg inunserer Heimat. Alle Dörfer des Werratales der Ämter

               Gerstungen, Hausbreitenbach, Creuzburg und Eisenach befinden sich im Aufstand.

               also auch die Dörfer der Grundherren von Reckrodt, von Herda und von Boyneburgk.

               Am 10. 05. 1525 rückt der Landgraf Philipp von Hessen in unseren Raum ein. Seine

               Söldner brandschatzen die Dörfer und wo sie zogen, hingen nach damaligen

               Darstellungen an allen Bäumen gefangene Bauern. Die Rache war furchtbar, ihre

               Anführer wurden in Creuzburg und Eisenach mit dem Schwert hingerichtet.

               Der Herzog berichtet: "Philipp hat das Gericht Creuzburg, Marksuhl und meiner

               Vettern und der vom reckrodtschen Gericht (Neuenhof  bis Sallmannshausen) auf

               das höchste gebrandschatzt und die Wehr genommen. Er nahm auch den Bauern

               alles Vieh. Neuenhof mußte außerdem ein Bußgeld von 50 Talern zahlen.

 

1533       Neuenhof wird als in vier Teilen gekennzeichneter Besitz beschrieben. Der

               reckrodtsche Teil war ein Viertel und war bis 1703 im Besitz der Familie. Auch

               der Ort Göringen war zur Hälfte reckrodtisch.

 

1503-      Georg von Reckrodt II, ein Landknechtsführer in Diensten von Philipp von Hessen

1559        und des  französischen Königs stehend, kämpft gegen den Kaiser und die katho-

               lischen Fürsten. Als letzter Ritter der Brandenburg bezeichnet, ruht er in der Herles-

               häuser Kirche.

 

1618       Der Dreißigjährige Krieg wütet in Deutschland und auch in unserer Heimat. Fremde

               Landsknechtheere plündern und morden, dazu kommen mehrere Pestepidemien,

               die die Bevölkerung stark dezimieren. 1626 und 1637 sind es kaiserliche Truppen,

               besonders die Kroaten, die hier wüten. Das Kirchenbuch von Lauchröden berichtet

               von einer gewissen Wohlhabenheit vor dem Krieg. 1626 treten erste Fälle von

               Pest auf. Bei einem Bevölkerungsstand von 600 Personen starben 250 Menschen

               an der Pest. Es wird vermerkt, daß von 1632 bis 1637 kein Getreide  in die Böden

               kam. Damals wurde die Kemenate der Brandenburg noch bewohnt, ehe die adligen

               Familien nach dem Krieg in die bequemeren Kemenaten der Dörfer umsiedelten.

 

1639    Fordert Herzog Johann Ernst einen Bericht über den Zustand seines Landes.

               Dieser Bericht zeigt die großen Wunden auf, die das Kriegsgeschehen verursacht

               hat. So seien die Wohnhäuser vielfach öd, wüst, verfallen, eingerissen, abgebrannt

               und die Menschen größtenteils gestorben, verdorben oder weggezogen. Die

               Äcker wären nicht bebaut, öd und wüst. Es wären kaum noch Pferde und Rinder

               vorhanden. Schafe und Schweine gäbe es nicht mehr; die Pestzüge hätten ganze

               Landstriche menschenleer gemacht.

 

1657       Es wird von einem Besitzwechsel berichtet. Jost, Christoph von Herda schenkt dem

               Eisenacher Dr. jur. Rödiger ein Viertel von Neuenhof. Erst 1777 verkaufen dessen

               Nachkommen das Teil wieder an die Familie Riedeselzu Eisenbach.

 

1670       Ein schauderhaftes Erlebnis ist überliefert:

               Die Witwe des Neuenhöfer Schmiedes, Euralia Kaiserin, wird der Zauberei be-

               zichtet angeklagt und als Hexe öffentlich und lebendig in Neuenhof verbrannt.

               Die Schmiede stand damals im westlichen Pfarrgarten.

 

1684       Ist das Fertigungsjahr der großen Neuenhöfer Kirchenglocke vermerkt Auf

               der Glocke steht: "Anno 1684, Matteus Thoner von Wantorf gos mich."

 

1687       Es kommt der Ahnherr der Familie Leischner nach Neuenhof und übernimmt als

               Schulmeister von Neuenhof und Filialen die Kindererziehung. Gleichzeitig heiratet

               er die Tochter seines Vorgängers, Dorothea Hauser aus Hörschel, die aus der

               berühmten Lindenpflanzerfamilie stammt.

 

1703       Mit Adam Ludwig von Reckrodts Tod stirbt die Manneslinie der Reckrodt aus.

               Der Familienbesitz geht an seine Schwester Sophie Juliane über. Diese bringt

               den Besitz an ihren Gatten, den Eisenacher Hofmarschall Adolph Hermann Riedesel

               Freiherr zu Eisenbach. Er war gleichzeitig Erbmarschall der Landgrafschaft Hessen

               und gehörte zur althessischen Ritterschaft.

 

1740       In dieser Zeit floriert bis ca. um 1780 der Kupferbergbau um Neuenhof.

               Aus dieser Zeit stammen die noch heute sichtbaren Zeichen an Pingen und Schächte.

               In den Schmelzhütten am Grund- und Bornwiesenteich wurde das im Neuenhöfer

               Territorium gewonnene Kupfererz zu handelsfähigem Schwarzkupfer geschmolzen

               und in die Welt verkauft.

 

1742       In einer Eingabe an den Herzog Ernst August wird vom Bergbau in Neuenhof be richtet. Es

              ist die Rede von den großen Schwierigkeiten, die der Herr von Boyneburgk,Gerichtsherr

               von Stedtfeld, der Gewerkschaft bereitet hätte. Er hätte ihr viele Steine in den Weg ge-

               legt.Das Bergwerk hat der Gewerkschaft 10 000 Reichstaler an Kapital und Zinsen gekostet

               und der Herzog möge der Gewerkschaft beistehen und einige Privilegien erneuern.

 

1754-     756 Es herrscht eine sehr große Hungersnot.

 

1756-     Der siebenjährige Krieg zwischen Preußen und Österreich, Sachsen, Frankreich

1763      und Rußland geht nicht spurlos an Neuenhof und Umgebung vorüber. Die Durch-

              züge und Einquartierungen der Truppen, der Druck zur Beschaffung von Lebens-

              mitteln, Futter und Vieh sowie die Fuhr- und Vorspanndienste bringen vie Leid

              über unser Land.

 

1757      Eine französische Armee von 24 000 Soldaten unter Feldmarschall Carl de Rohen

              marschiert durch unser Land. Nach ihrem Rückzug geht sie in den westlichen

              Thüringer Wald in Stellung. Ihr Standort ist unter der Bezeichnung "LL" im Dokument

              des Lageplanes am Standort Borntal gegenüber dem Hohen Rod eingezeichnet.

              Von diesem Lager aus wird Neuenhof mehrere Male auf das äußerste geplündert

              und drangsaliert. Es wird ein Schaden von achttausend Taler festgestellt.

              Ebenfalls wird das Riedeselsche Archiv vernichtet.

 

1761      Endlich ziehen die Truppen ab

 

1768      Die vier Söhne von Adolph Hermann Riedesel besitzen Neuenhof gemeinsam

              (pro indivio). In diesem Jahr teilten sie sich den Besitz und durch Los fielen

              Dreiviertel von Neuenhof an den dritten Bruder Volpert Christian, einem kursächsi-

              schen Generalmajor.

 

1777      Erwirbt Volpert Christian Riedesel das letzte Viertel von der Familie Rödiger.

              Volpert Christian Riedesel war, wie seine beiden anderen Brüder, unvermählt.

              Nur der älteste Bruder hatte drei Söhne.

 

1799      Teilten die drei Söhne des ältesten Bruders Johann Wilhelm ihren Besitz. Neuenhof

              bekam Friedrich Adolph Riedesel zu Eisenbach. Dieser war Soldat und braun-

              schweigischer Generalleutnant. Er führte die von den Landesherren an die Engländer

              verkauften Braunschweiger und Hessen in den amerikanischen Unabhängigkeits-

              krieg. Seine Familie begleitete ihn während des Feldzuges und  der Gefangenschaft.

              Das Erbregister der Familie Riedesel weist Lehnsrechte in Neuenhof, Lauchröden,

              der West-Brandenburg, Sallmannshausen, Falken, Pferdsdorf und Spichra aus.

 

1784      Der Bergrat Voigt gibt mit seinen Besuchen und den dabei ermittelten Erkenntnissen

              über die Geologie und den Bergbau unserer engeren Heimat mit dem 11. Brief an

              den Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe Auskunft über die Lage. Er beschreibt

              auch die Stopfelskuppe und die Basaltspalte bei Hörschel.

 

1794      Die Neuenhöfer Kirche wird von Grund auf renoviert.

 

1800      Am 06.01.1800 stirbt der Generalleutnant und Gerichtsherr von Neuenhof, Friedrich

             Adolph Riedesel.Im Neuenhöfer Schloßpark ist ein Erinnerungsstein an ihn und seine

             Gattin aufgestellt.

 

1808     Sein einziger Sohn und Erbe, der spätere Landmarschall Adolf Georg Riedesel

             Freiherr zu Eisenbach, zieht mit seiner Familie in die Kemenate von Neuenhof ein.

 

1812     Es wird erstmalig von einer Impfung gegen die ehemals verheerenden Blattern

            geschrieben.

 

1806-    Die napoleonischen Kriege von 1806 und die Befreiungskriege zeigen auch in und

1815     um Neuenhof  ihre Auswirkungen. Am 25.9.1813 quartieren sich französische Truppen

            in Neuenhof ein; beim Abzug müssen Vorspanndienste bis Fulda geleistet werden.

            Am 18. 10. flüchteten die Franzosen nach der Schlacht bei Leipzig westwärts über

            Eisenach und den Vachaer Stein. Hier fand ein Gefecht statt. Die Kursächsische Armee

            begann ein Umgehungsmanöver und marschiert durch die Warthaer Flur. Ein sächsi-

            scher Offizier gedachte, Beute zu machen. Der Neuenhöfer Gerichtsherr fährt den

            erwarteten Befreiern und "Freunden" entgegen, wird aber mit der Pike geschlagen

            und mit Geldforderungen drangsaliert. So flüchtet er nach Neuenhof zurück. Wartha

            wird geplündert und gewaltsam zu Vorspann gezwungen.

 

1813    Nach der Schlacht bei Moskau zog sich die geschlagene französische Armee nach

            Frankreich zurück. Ein versprengter Soldat wird von Neuenhöfer Einwohnern mit Gabeln

            und Knüppeln gejagt und über das steile Zechsteinriff am "Hohen Rod" in den Tod

            gestürzt. Heute heißt dieser Platz der "Franzosenfelsen". Dieser Mord bewegte damals

            viele Menschen mit Abscheu.

 

1814    Die Rinderpest grassiert in unserenDörfern und viele Rinder sterben. Die übrig-

            gebliebenen Tiere sind äußerst schwach, es kommt bei der Durchführung der Feld-

            arbeit zu großen Schwierigkeiten

            Am 08. 04. kam die Meldung, daß Paris genommen und der Krieg gewonnen sei.

            Es wurde der Befehl erteilt, zu Ehren der vielen Gefallenen Gedenkfeiern zu halten

            und zum Sieg ein Freudenfest zu feiern. In den Dörfern wurde Plattung als Salut

            geschossen, die Glocken geläutet und auf den Bergen Freudenfeuer angezündet.

 

1817    Freiherr Georg Riedesel übergibt seinen Besitz an seine Frau Caroline.

 

1818    Wurde die Ammensteuer eingeführt. Für die Schuldiener (Lehrer) wird je Vermögens-

            lage der Eltern eine Beisteuer verlangt.

 

1819    Im Frühjahr wird der Forstort "Steckenberg" abgeholzt und neu bepflanzt. Das Holz

            wird auf der Werra nach der Saline Glücksbrunn geflößt.

 

1820    Wird eine Scharlachepidemie gemeldet.

 

1821    kommt es zu gehäuften Diphteriefällen mit Todesfolgen.

 

1820    Die Ablösung der feudalen Erbzinsen und Gefälle mit Geld und Boden beginnt.

            Der Zwangsgesindedienst wird eingeführt. Am Lichtmeßtag (2. Februar) wird mit

            der Übergabe des Dingtalers für ein volles Jahr Dienst verlangt. Bei Unterbrechung

            kann Zwangsrückführung durch die Polizei erfolgen.

            Die Freifrau Riedesel zu Eisenbach und die Freifrau von Herda schaffen sogenannte

            Industrieschulen für die männliche Jugend.

 

1826    Wird ein Bergwerk in Göringen bei Neuhausen abgeteuft. Georg Riedesel kauft für

           5000 Taler Kirche, Pfarrhaus und die zugehörigen Kirchenländer. Das Warthaer Werra-

           wehr und der Grundbaum werden erneuert. Zur Himmelfahrtsfeier wird zum ersten

           Mal auf der Brandenburg, wie zuvor auf dem Kielforst, mit Musik gefeiert.

 

1827   In diesem Jahr werden alle im Großherzogtum zu Lebende eingeschätzt und zur

           Vermögenssteuer herangezogen. Die schnelle Schneeschmelze führt zum Hochwasser

           der Werra. In der Werrafurt ertrinkt der Pferdsdorfer Jüngling Keuterling bei  der Überfahrt.

           Es herrscht Milzbrand beim Vieh, Geschwüre führen zum Tod. Neuenhof wird als

           Ritterdorf dargestellt und mit 76 Häusern und 311 Einwohnern registriert.

 

1829   Der Neuenhöfer Anspanner und größte Bauer Heilemann fällt die Dorflinde und ver-

           teilt das Holz an die Anwohner. Dafür wird er bestraft. Es wütet die Rinderpest im

           Herbst, deshalb wurde Handelssperre verfügt. Abhilfe wurde durch Chlorkalkdesin-

           fektion geschaffen.

 

1830   Die Cholera wütet wieder einmal. Das Werratal ist überschwemmt, das Futter ver-

           schmutzt; dadurch kommt es zu Viehverlusten.

           Am 12. 06. 1830 heiratet die einzige Tochter von Georg Riedesel, Marline, den

           fränkischen Junker Dr. jur. Hermann von Rotenhan aus Rentweinsdorf. Damit kommt

           mit den Rotenhans die vierte adelige Familie mit den Anfangsbuchstaben "R" zum

          Besitz der Westbrandenburger Gerichtsherrschaft.

          Es beginnt der Bau der "Hochstraße" Hörschel-Sallmannshausen-Gerstungen.

          Der Bau gibt vielen Menschen aus der Region Arbeit und Brot. Eine Erinnerungstafel

          am "Lusthäuschen" erinnert daran. Der komplizierte Ausbau des steilen Abhanges

          am Lusthäuschen, die Überbrückung des Baches am Kühlleich, die Überwindung der

          Sumpfstrecken am Miethölzchen, Schindgraben, Lachenrain verdeutlichen das fort-

          schrittliche Unternehmen.

 

1831   Am 2. 02. wird die Warthaer Brücke eingeweiht. Damit wird die über Jahrhunderte

          von Jahren betriebene Werrafurt überflüssig.

           Die Brücke an der Kaiserwiese wird gebaut (eingemeißeltes Jahr).

 

1844    Im Februar und im April Überschwemmung.

 

1845    Die Eisenbahn wird inAngriff genommen. Vorher verlegen  hunderte Menschen das Hörselbett
            und schaffen dadurch eine günstigere Wasserführung im Mündungsgebiet und für den Ort
            Hörschel.Im März wieder Überschwemmung und starker Eisgang, erst im April war das Was-
            ser wieder im Flußbett.

 

1846    Der riedeselsche Kammerdiener Hesse stellt sein Vermögen für die Schuljugend zur

            Verfügung. Damit werden mit den jährlichen Zinsen  Unterstützungshilfen für die Schul-

            kinder ermöglicht. Größte Überschwemmung durch die Werra. Am 28. und 29. Januar

            ist die Gefahr am größten. Mit Hilfe eines von Hörschel herbeigeholten

            Kahnes werden der notleidenden Bevölkerung von Wartha Lebensmittel überbracht,

           auch Brennholz. Die Bevölkerung rettet sich in die höheren Stockwerke, Schafe und

            Schweine ebenfalls. Ochsen und Kühe stehen tagelang bis zu den Krippen im Wasser.

 

.1847    Im Frühjahr kommt es zu einer sehr großen Hungersnot. Durch Fürsorge von Riedesel

            war auf der Kemenate eine Speisenanstalt für die Dorfarmen errichtet worden. Die

            Weimarische Regierung gibt zu billigen Preisen Brotfrucht ab und stundet bis zum

            Jahresende.

            Der Eisgang beschädigt die Warthaer Brücke.

            Der Bau der Eisenbahnstrecke Eisenach-Hörschel hat 600 Menschen der Umgebung

            in dieser Zeit beschäftigt. Am 25. 06. war die Strecke fertiggestellt.

            Am 23. und 24. August wird in Eisenach das Fest der Thüringer Singvereine auf dem

            Mittwochsmarkt mit 1200 Teilnehmern gefeiert. Festorte sind auch das Mariental und

            die Wartburg.

 

1848    Im Januar war es so kalt, daß der Schulbesuch unmöglich war. Im nachfolgenden Eis-

            gang wird die Warthaer Brücke beschädigt. Die neugebaute Sallmannshäuser Brücke

            wurde ebenfalls so stark beschädigt, daß sie 5 Wochen lang gesperrt werden mußte.

            Pfingsten versammelten sich ca. 1500 Studenten aus allen Universitäten Deutschlands

            in Eisenach. Auf dem Markt und im Mariental halten sie Kundgebungen ab, um dann

            zur Wartburg zu ziehen. Ebenfalls versammeln sich aus ganz Deutschland 200 Lehrer

            in Eisenach, um über eine zeitgemäße Umgestaltung des Lehr- und Unterrichtswesens

            zu beraten.

 

1850    Die feudale Gerichtsbarkeit wird abgelöst. Letzter Gerichtstag im riedeselschen Ge-

           richtsbezirk ist der 1. 4. 1850.

 

1850   am 1.9. wird zum ersten Mal in Neuenhof ein Gemeinderat gewählt.

           Georg von Rotenhan wird Landtagspräsident von Sachsen-Weimar-Eisenach.

           Der behindernde Wall am oberen Ende der Dorfgasse wird durchstoßen und abgetra-

           gen. (Erinnerungsstein).

          

           Einquartierung von 43 Soldaten wegen Zerwürfnis der Kurhessischen Regierung

           und der Landstände (Preußische Husaren).

 

1851   Werrahochwasser

 

1852   Wieder Notzeit - viele almosenbedürftige Menschen - Brotpreise steigen - Einrichtung

           einer Suppenanstalt.

           Die Felder des Gutes werden drainiert. Dies schafft Arbeit für Arbeitslose. Arme und

           Kranke werden mit Gemeindegeldern unterstützt. Es wandern viele Einwohner nach

           Amerika aus.

 

1854   Brotmangel und Teuerung, Eisenacher Metze Korn kostet 19 g Gr. Hessen sperrt die

           Getreideausfuhr.

 

1855   Im Juli Werrahochwasser mit viel Schäden, Kornpreis bis 22/Metze

 

1856   Die Eigentümerin der West-Brandenburger Liegenschaften, Caroline Freiin Riedesel,

           macht nach dem Tode ihres Gatten, des hochangesehenen Landmarschalls Georg

           Riedesel Freiherr zu Eisenbach, am 1. 10. 1856 mit ihrer Tochter Marline von Rotenhan

           und ihrem Enkelsohn Georg von Rotenhan einen Erb- und Kaufvertrag.

 

1857   Der neue Friedhof am Bromstück des Botenfeldes wird von Caroline Riedesel zur

          Verfügung gestellt. Sie ist die erste, die nun dort ruht. Damit endet die Nutzung des

           alten Gottesackers am Jipprain an der Kirche.

 

1861   wird der Felsenkeller bergmännisch abtgeteuft und ausgebaut. Seine Einweihung mit

           Waldgaststätte, Saal, Kegelbahn, Schießstand und dem Bierkeller ist ein großes Ereignis.

 

1862   In der Nacht vom 30. zum 31. Juli nach einem Wolkenbruch stieg die Hörsel unbemerkt

           und so schnell, daß die Müllersleute in Hörschel im Schlaf überrascht wurden und

          auf Grund des durch die Fenster hereinkommenden Wassers nur ihr Leben retten

          können. Hörsel- und Werraaue ist ein einziger See. Ganze Fuhren Getreidegarben und

          Baumstämme kommen geschwommen. Das neue Mühlwehr ist vernichtet. Nach

          Eisenach kann man nur zu Pferd über den Clausberg gelangen.

          Es wird als ein Jahrhunderthochwasser beschrieben.

 

1863  Die alte baufällige Neuenhöfer Kemenate wird abgerissen und ein neues Schloß an

          dieser Stelle errichtet.  Der Bau brachte einen guten Verdienst für die Neuenhöfer

          Tagelöhner.

 

1864  Im Oktober wird das neue Schloß von den Schloßherren bezogen. Ein Unglücksfall

          beschattet den Bau. Der Göringer Tagelöhner Steinbrecher, einziger Versorger der

          Familie und Bräutigam, wird im Steinbruch im Herrenbrückengrund verschüttet und

          getötet (heißt heute noch der Totenbruch).

          Es wird der Zukauf von den Forstorten Frankenstein, Wolfanger, Marktpfad, Höhnes

          und der Große Eichelberg von dem aufgelöstenBesitz des Deubachshofes durch

          Georg von Rotenhan vorgenommen. Einhundert Acker werden sofort auf dem "Großen

          Eichelberg" gerodet und zu Ackerland gemacht. Dadurch war ein guter Verdienst für

          die Tagelöhner gegeben, sie machten sich Hoffnung, dadurch Pachtland zu bekommen.

 

1865  Seit Palmsonntag bis nach Ostern ist die Werra über die Ufer getreten. Der Pfarrer

          mußte mit dem Schiff zur Kirche von Wartha fahren. Mit Brettern und Leitern kamen die

          Warthaer Einwohner von Hof zu Hof.

          Die Trichinose kommt vor, es wird erstmalig mit dem Mikroskop das Vorhandensein

          nachgewiesen. In diesem Jahr unterblieb die Eisernte und der Neuenhöfer Brauerei entstand

          dadurch ein großer Schaden für die Bierherstellung.

1866  Der Deutsche Krieg ist ausgebrochen. Unsere Heimat wird mit einbezogen.

          40 000 Mann marschieren rheinwärts. Eine Brigade marschiert durch Neuenhof.

          Die Eisenbahnbrücke wird bewacht und die Straße nach Spichra gesperrt.

          Die Hannoveraner suchten sich mit den Bayern zu vereinigen. Eine Patruille mit

          dem Bruder der Gattin des Barons Georg von Rotenhan, von Bernsdorff, kommt in

          Gefangenschaft und soll erschossen werden. Ein Kniefall der Schwester vor dem

          Großherzog mit der Bitte um Vermittlung beim preußischen König rettet ihm das Leben.

          Neuenhof hatte eine große Gefahr gedroht, die aber durch den Gang der Dinge

          glücklich abgewendet wurde.

          Im Juni werden die Gothaer von den Preußen, hauptsächlich Polen aus Posen,

          abgelöst. Die Kampfhandlungen zogen sich nach Langensalza hin, wo auch die

          letzte Schlacht geschlagen wurde. Vorher zogen in Neuenhof preußische Truppen

          ein und verwandelten Neuenhof in ein Kriegslager. Ein plötzlicher Alarm ließ die

          Truppen aber im Nu wieder verschwinden. Später kamen Truppen über Truppen

          einschließlich der hannoverschen Beute durch Neuenhof gezogen. Von den in Neuen-

          hof liegenden Soldaten sind bei Langensalza vier Offiziere und dreihundert Solda-

          ten gefallen.

 

1868  Seperation der Warthaer Flur.

          Ein großes Hagelunwetter mit riesigen Schäden wird gemeldet.

 

1870  Auch in diesem Jahr war wieder die Werra über die Ufer getreten. Es kam zu

          Baumschäden durch Eisschollen. Ein jüdischer Händler war mit Pferd und Wagen

          von Herleshausen nach Eisenach gefahren. Auf der Rückfahrt war die Werra so stark

            angestiegen, daß sie nur unter Lebensgefahr auf der Herleshäuser Straße durchfah-

           ren werden konnte. Er riskierte es, kam durch die Strömung aber in die tieferen Stel-

           len. Nun versuchte er, sein Pferd zu retten, aber die Fluten drückten ihn unter Wasser

           und  beide ertranken. Plötzlicher Frost ließ danach alles in einen Eispanzer erstarren.

           Erst im Frühjahr schmolz er ab. Das Pferd wurde festgefroren hinter dem Ort gefunden

           und den Mann konnte man erst im Frühjahr unten im Warthaer Feld bergen.

 

1871   Weit bedeutender als das Wasser 1870 war das Hochwasser 1871. Am 22. und 23.

          Juni standen Wartha und Hörschel unter Wasser. Die älteren Leute konnten sich an

          eine solche Wasserflut nicht erinnern. Acht Tage dauerte es. Hilfe für das Vieh kam

          von Neuenhof. Mit Kähnen wurde Klee und Stroh dorthin transportiert. Die gesamte

          Ernte von Wartha war vernichtet. Ein Ertrunkener konnte, da der Warthaer Friedhof

          unter Wasser stand, nicht in Wartha, sondern Neuenhof begraben werden.

          Tausend Taler war allein der Schaden an den Gebäuden groß.

          Der deutsch-französische Krieg brachte das Deutsche Reich. Es sind drei Gefallene gemeldet.

 

1871- 1872   Die drei Gemeinden bauen inNeuenhof eine neue Schule mit zwei Schulsälen.

          Die alte Schule wird Lehrerwohnung.

 

1873  Georg von Rotenhan läßt zur Sicherung seines Wildbestandes in einer Nacht- und

          Nebel-Aktion einen festen Wildzaun von dem Michelsgraben über Blöße, Tittelholz,

          Markpfad bis zur Hörsel am Frankenstein bauen.

 

1874  Es wird das Volksschulgesetz erlassen. Je Schulkind sind vier Mark im Voraus zu entrichten.

 

1876  Das Gemeindebrunnenwesen wird  durch den Neubau von Windbörnern in der Acker-

          delle, Eisenacher Gasse, in der Warthaer Gasse erweitert. Neuenhof erhält ein

          Standesamt. Der Turnplatz wird von Rotenhan für die Schuljugend zur Verfügung gestellt. Es      werden Turngeräte angeschafft. Eine neue Feuerspritze wird gekauft.

 

1878  Die sogenannte Gemeindegerechtsame wird abgeschafft und die bisherigen unentgeltlichen

          Frondienste für die Gemeinde werden zukünftig gegen Lohnzahlung durchgeführt.

 

1882  Die Werra ist in diesem Jahr achtmal über die Ufer getreten.

 

1883  Geschieht in Neuenhof ein Mord an einer jungen Frau, die zuerst vermißt, später

          aber an der Brücke in Creuzburg angetrieben worden war. Der Mörder entzog sich

          der irdischen Gerechtigkeit durch Selbstmord im Wald hinter dem "Hohen Rod".

          Wie berichtet, war er von den Raben gefressen worden.

 

1891  Ist wieder eine Überschwemmung

          Hörschel bekommt am 01. 11. 1891 eine eigene Eisenbahnhaltestelle.

 

1893  In diesem Jahr war eine außergewöhnliche Dürre.

 

1894  In Neuenhof wird der Darlehnskassenverein Raiffeisen gegründet.

          Auf dem Georgenplatz findet das Missionsfest statt.

 

1902  In Neuenhof wird der Gesangverein gegründet.

 

1904  Herrscht eine große Trockenheit.

 

1908  Neuenhof baut sich eine Wasserleitung. Von der Quelle am Teichrain über den

          Hochbehälter fließt das Wasser zu den Zapfstellen der Häuser. Später wird auch

          der Ort Hörschel angeschlossen.

 

1909  Am 04. 02. bricht das Eis der Werra auf und es kommt zu Hochwasser. Wie

          schon oft, kommt es zu Mangel an Kochwasser und Futternot.

          Inspektor Wischmann und Förster Schulz bringen von Neuenhof Hilfe; auch das

          Vieh wird in Sicherheit gebracht. Die Flut steht höher als 1871. Der Überfahrtkahn wird zum

          Personentransport eingesetzt. Am Miethölzchen stand das Wasser über einen Meter hoch.

 

1911  Dieses Jahr geht als großes Dürrejahr in die Geschichte ein. Der neue Kuhstall wird gebaut.

         Gleichzeitig werden die neuen Eiskeller errichtet. Drei Eiskeller nehmen den Eisvorrat für das

          ganze Jahr auf. Bei den Schachtarbeiten wird der Baumeister verschüttet.

 

1914  Am 22. 04. verstirbt der Freiherr Georg von Rotenhan. Seine Beisetzung erfolgt

          unter Beisein des Großherzogs auf dem hiesigen Friedhof. Der Nachfolger , der

          älteste Sohn Hermann, zieht von Lauchröden ins Neuenhöfer Schloß.

          Neuenhof hat zum damaligen Zeitpunkt 400 Einwohner. Es kommt zur Stillegung der

          Neuenhöfer Brauerei und zum Verkauf der Warthaer Werramühle.

          Am 01. 08. bricht der erste Weltkrieg aus. 21 Neuenhöfer mußten sich sofort stellen. Nach

          Pfarrer Thieme sind 65 Männer aus Neuenhof, 17 aus Hörschel und 20 aus Wartha an

          der Front. 1918 ist der Krieg zu Ende. 14 Neuenhöfer Männer sind gefallen. Der Kaiser

          flieht nach Holland, der Großherzog tritt zurück. Deutschland wird eine Republik.

          Folgende Ereignisse sind noch zu vermelden: Kriegsgefangene planieren den tiefen

          Hohlweg über das Tittelstück, es kommt zur Seperation der Neuenhöfer Flur. Ein schweres

          Gewitter reißt den tiefen Graben hinter der Mühle auf und zerstört den Kemenatenteich.

 

1919- 1920   Die letzten Soldaten kehren heim. Eine neue Gemeindeordnung entsteht. In Deutsch
                     land herrschen trostlose Zustände. Die Lehrer stellen die kirchlichen Hilfsdienste ein.

 

1922  Schon 1918 kam die Elektrizität nach Neuenhof. Es erfolgte der Anschluß an die Überlandleitungszentrale Stockhausen. Die alte E-Leitung war vorher ungleichmäßig und kriegsbedingt aus schlechtem Material hergestellt. 1921 wurde zur Verstärkung der Kapazität  das alte Stauwerk der Hörscheler Mühle wieder hergestellt und zu einem Kraftwerk umgebaut. Gleich darauf wurde ebenfalls die alte Werrasägemühle umgebaut und eingerichtet. Dies geschah auf Initiative von Kohlrausch. Danach wurde das Leitungsnetz mit Kupferdraht erneuert. Im Krieg war 1918 die Hörscheler große Glocke eingeschmolzen worden und1922 wurde eine neue aus Klangstahl von der Fa. Schilling aus Apolda für 150 000 Mark beschafft.

 

1923  Es kommt zur Inflation, zur großen Geldentwertung. Am Ende 1923 stabilisiert sich die Wäh
           rung.          

          10 Milliarden  - 1 Pfennig  , 100 Milliarden - 10 Pfennig  , 1000 (1Trillion) - 1 Mark

 

1928  Das Rittergut wird nicht mehr eigenständig bewirtschaftet, eine
          Pachtgenossenschaft  mit                      41,3 ha

          Kleinparzellen                             18,6 ha

          ein Restgut                                            73   ha

          gebildet und verpachtet. Allein der Wald verbleibt in Rotenhanscher Direktver-

          waltung. Im Winter kommt es zu außergewöhnlichen tiefen Temperaturen.

          Fast alle Obstbäume erfrieren, große Wildverluste entstehen, die Wasserleitung

          friert ein und taut erst Pfingsten 1929 wieder auf.

 

1930  Die Weltwirtschaftskrise macht auch um Neuenhof keinenBogen, die meisten Neuenhöfer

          Arbeiter sind arbeitslos und stempeln. Viele sind ausgesteuert und Sozialhilfeempfänger.

          Notstandsarbeiten, meistens Straßenbauten, werden organisiert. Gutscheine - meist  imWert

          von vier Mark - zur Steuerung der größten Not werden ausgegeben.

 

1931  Die Straßen sind den gewachsenen Belastungen des Autoverkehrs nicht mehr gewachsen.

          Die Hörscheler Brücke bricht ein, deshalb wird sie durch eine breitere Betonbrücke  ersetzt.

 

1933  Werden die Pfeiler der Werrabrücke betoniert. Die stehengebliebenen Eisenver-

          schalungen werden durch einen Taucher unter Wasser autogen abgeschnitten.

          Der faschistische Nationalsozialismus kommt an die Macht.

 

1935  Im August wurde die Kreisstraße Eisenach - Gerstungen von Eisenach bis vor die Warthaer

          Werrabrücke geteert.

          Es werden alle politischen Parteien verboten. Es wird mit einer beispiellosen

          Hetze,  vor allem gegen die in Herleshausen wohnenden Juden, begonnen.

          Wer von den Bauern mit den Juden handelt, bekommt Schmähschriften ans Hoftor

          gemalt. Eine ungehemmte damagogische Verhetzung und Beeinflussung der

          Menschen mit Parolen wie "Juden sind unser Unglück", "Volk ohne Raum",

          "Schanddiktat von Versailles" und die Theorie von den "Herren- und Untermenschen"

          wird durchgeführt. Mit dem Reichsarbeitsdienst (0,25 Mark Stundenlohn), der Methode der

          "Ernährungsschlacht" und der Parole "Kanonen statt Butter" wird systematisch der kommende

          Krieg vorbereitet. Die Straßennamen werden geändert.

 

1936 Die West-Brandenburg, die jahrhundertelang im Besitz der Familie der Reckrodt,

          Riedesel und Rotenhan war, wird an das Land Thüringen verschenkt.

 

1937  Auch in der Kirchgemeinde Neuenhof ist das Gemeindeleben faschistisch beeinflußt.

          Dagegen bildet sich eine starke kirchliche Opposition. Die Bekenntnisfront unter dem tapferen
          Vikar Walter Papst findet unter den Christen von Neuenhof, Hörschel und Wartha eine große

          Resonanz. Der Freiherr von Rotenhan stellt das Pflegehaus der Marienstiftung für den

          Gottesdienst zur Verfügung. Dieses ist im,Gegensatz zu dem in der Kirche stattfindendem, 
          Gottesdienst der "Deutschen Christen" brechend voll besucht.

.

1939  Der Krieg beginnt mit dem Überfall auf Polen. Gefangene Polen werden mit einem

          „P" gekennzeichnet, sie dürfen nicht mit am Tisch sitzen. Mißhandlungen kommen vor.

 

1941  Der Krieg geht weiter; nach Frankreich, Norwegen, Griechenland wird die Sowjetunion

          überfallen. Kriegsgefangene Russen sterben zu Hunderten im Gefangenenlager

          von Herleshausen. Massengräber am Kielforst mahnen.

 

1942  Der Krieg kommt auf Deutschland zurück. Luftschlachten auch über Neuenhof.

          Verwundete Amerikaner befinden sich auf dem Gutshof, wo eine tapfere Magd

          sie unter Protest der Nazis verbindet.

          Die Neuenhöfer Kirchenglocken werden vom Gestühl genommen und zur

          geplanten Einschmelzung nach Bremen gebracht. Glücklicherweise geschieht

          das aber dort nicht und sie kommen nach dem Krieg 1949 nach Neuenhof zurück.

 

1945  Am 01.04. stoßen amerikanische Panzerspitzen zur Werra vor. Die Brücken werden

          gesprengt. Die Autobahnbrücke, damals provisorisch aus Holz gebaut, wird verbrannt.

          Die Bevölkerung flüchtet in die Wälder.Sie sucht in Höhlen und Kellern Schutz.

          Deutsche Verbände, die in den Bergen zur Verteidigung in Stellung gegangen waren,

          schießen auf die Amerikaner und lösen damit den Beschuß auf die Werradörfer aus.

          Der Neuenhöfer  Volkssturm kämpft nicht und löst sich auf. Die Neuenhöfer Bürger

          verjagen mit der Axt kampfbereite Hitler-Jungen. Zusammen mit dem Melker Willi

          Buntrock  wird die weiße Fahne gehißt und somit Neuenhof vor der Zerstörung gerettet.

          Lediglich die Scheune von Wilhelm Leischner und der Kuhstall verbrennen. Die Zer-

          störung von Hörschel, Spichra und Creuzburg sind das Ergebnis eines unsinnigen

          Widerstandes.

         

          Bilanz des Krieges sind unzählige Opfer.In Neuenhof sind 28 Männer gefallen, viele

          Neuenhöfer sind noch lange Jahre in alliierter Kriegsgefangenschaft.

          Alles liegt am Boden, viele Menschen sind heimatlos, verschleppt und krank, überall

          herrscht Hunger, das hat der Krieg gebracht.

         

          Ursprünglich war Neuenhof , wie ganz Thüringen, von den Amerikanern besetzt.

          Aber im Juli 1945 rückt entsprechend den alliierten Beschlüssen die Rote Armee in

          unser Gebiet und somit auch in Neuenhof ein. Das Schloß, das Pfarrhaus und die

          Häuser am Schulplan werden zur Kaserne und von denBewohnern geräumt. Die Schule

          wird in den Felsenkeller umquartiert. Antifaschisten übernehmen die Verwaltung.

          Die alten, bisher verbotenen Parteien konstituieren sich wieder. So die SPD, KPD

          und die LDPD. Sie beginnen in dieser schweren Zeit mit dem Wiederaufbau in der

          Gemeinde.

        

          Auf alliierten Beschluß kommt  es zur demokratischen Bodenreform. Am 20.09.1945

          beschließt die Landesverwaltung von Thüringen die Bodenreform. Auch in Neuenhof

          bildet sich ein Reformkomitee. Zur Verteilung kommen der Boden und die Wälder aus

          dem Rotenhanschen Besitz. Der alte Freiherr Hermann von Rotenhan war im Krieg

          1942 und seine Gattin 1944 verstorben, der Erbe Konrad in Kriegsgefangenschaft.

          Es wurde verteilt:

          132,8 ha landwirtschaftliche Nutzfläche (455,2 ha Neuenhöfer Flur, 121,3 ha Stedtfelder

          Flur) und 431 ha Wald. Weiter 12,8 ha sonstige Flächen, davon 3,38 Ödland und Wege,

          0,44 ha Teic he, der Park von 3,81 ha, 0,85 ha Hofraiten und 4,34 ha Steinbrüche und

          Leeden. Das Schloß wird der Gemeinde und das Pflegehaus des Marienstiftes der

          Kirche zugeteilt.

 

1945- 1946  Es erfolgt die Eingliederung der vielen Evakuierten und Flüchtlinge in das Dorfleben.

          Sie werden, so gut es geht, mit Wohnung, Arbeit und dem Nötigsten versorgt.

          Es herrscht überall eine unbeschreibliche Not an allem. Das Pfarrhaus wird in diesen

          Jahren zum Asyl für Obdachslose. Es kommt zur Vereinigung der beiden Parteien

          SPD und KPD. Die erste Wahl nach dem Krieg wird durchgeführt.

          Die Partei LDPbekommt die Mehrheit und stellt denBürgermeister Hoßbach.

 

1947  Ist ein großes Dürrejahr. Die Dorfschmiede Nölker und Wiener fertigen für die

          Bauern die nötigsten landwirtschaftlichen Geräte. Flurwachen sorgen für die Einstel-

          lung der übernhand nehmenden Felddiebstähle. Die "Innere Mission" der evangeli-

          schen Kirche pachtet das Neuenhöfer Schloß von der politischen Gemeinde und

          richtet unter Leitung der Schwester Minna ein Altersheim ein.

 

1949  Gründung der DDR.

          Gründung der MAS (Maschinen-Ausleih-Station). Die MAS-Station Marksuhl übernimmt

          für die Neuenhöfer Bauern Feldarbeiten zu sehr geringen Preisen.

          Die Neuenhöfer Bauern liefern solidarisch Zuchtvieh nach Mecklenburg.

1951  Am 08. 02. wird die Ortsvereinigung der Gegenseitigen Bauernhilfe gegründet.

          Gleichzeitig wird eine Differenzierungskommission gebildet, diese schlüsselt das damals

          gültige Ablieferungssoll an landwirtschaftlichen Produkten auf.

          Die Milchschafbockhaltung wird von Ernst Baum und Friedrich Leischner betrieben.

 

1952  Am 23. 03. wird der Neuenhöfer Gemeindewald unter Protest der Volksvertreter

          zu Volkseigentum erklärt.

 

1953 Es bildete sich eine Jagdgemeinschaft Neuenhof als Sektion der Gesellschaft für

         Sport und Technik.

         Die Demarkationslinie wird zur Staatsgrenze und hermetisch abgeschlossen. Es wird

         ein Sportverein gebildet und die Sportsfreunde bauen sich im Eckardtsgrund und später auf

         dem Hoffeld einen Sportplatz.

         Es wird das Grenzgebiet zur Bundesrepublik zur Sperrzone erklärt und darf nur

         mit der dafür gültigen Genehmigung betreten werden.

         Das Schloß wird zur Kaserne der Grenzpolizei und die bisherigen Altersheimbewohner

         nach Eisenach umgesiedelt.

 

1959 Im Februar gründen Neuenhöfer Bäuerinnen und Bauern eine Genossenschaft zur

         gemeinsamen Bewirtschaftung des Ackerlandes, um die Technik besser einsetzen

         zu können. Sie geben ihr den Namen "Heimatblick". Es herrscht in diesem Jahr

         eine große Trockenheit. Die Bauern richten an der "Borntalspitze" eine gemeinsame

         Jungrinderweide ein.

 

1960 Die genossenschaftliche Umgestaltung wird vollendet, alle Bauern sind jetzt in

         der LPG Typ I.

         Die neue Schule auf dem Gelände des alten "Schützengarten" wird nach ihrem Bau

         eingeweiht.

 

1961 Die Mauer in Berlin wird gebaut, auch bei uns wird die Grenze zur Bundesrepublik

         und zu Hessen unpassierbar gemacht.

 

1962  Das alte und baufällige "Rote Schloß" wird abgebrochen.

          Eine zweite Rohrleitung zur Stabilität der Trinkwasserversorgung wird verlegt.

 

1963  Die alte Faßhalle der ehemaligen Brauerei mit dem darunterliegendem Eiskeller

          wird zum Einkaufszentrum der Konsumgenossenschaft Neuenhof ausgebaut und in

          Betrieb genommen.

 

1964  Die Ackerdelle wird kanalisiert.

 

1965  In diesem Jahr wird auch die Eisenacher Straße kanalisiert und, soweit das  Geld reichte (bis
          zur Ackerdelle) asphaltiert. Eine Ringleitung zur Wasserversorgungs anlage an der Tiefboh-
          rung am "Langen Streif" wird verlegt, um die Wasserversorgung  von Hörschel zu stabilisie
          ren.Der Michelsgraben wird verrohrt, der Schrottplatz dort eingerichtet.

 

1969  Nachdem die Kaserne der Grenztruppen auf dem Ufer errichtet worden war, ist das

          Schloß nun freigeworden und wird von der Gemeinde Neuenhof wieder übernommen

          und von ihr eingerichtet. Es beherbergt nun Arztzimmer, Jugendclub, Kindergarten

          Büro der Landwirtschaft und vier Wohnungen. Die Kirche erhält ein neues Dach und in

          den Turmknopf werden am 28. Mai 1965 Dokumente eingelegt.

          Die vier landwirtschaftlichen Genossenschaften schließen sich nach eingehender

          vorheriger Diskussion zur Verbesserung ihrer Arbeit zu einer Genossenschaft des

          Typ I mit Namen "Vereinte Kraft" zusammen. Ihr Büro richten sie im Neuenhöfer Schloß ein.      

 

1970  Auf dem Friedhof wird ein Grundstück von der politischen Gemeinde erworben und

          eine moderne Leichenhalle gebaut. Als langjähriger Betreuer ist der Bürger Friedrich

          Siebert zu nennen.

1973- 1976    Zur besseren Nutzung der Neuenhöfer Hanglagen, aber auch der der anderen Dörfer

            erfolgt die Umorganisation der Feldwirtschaft. In  Vorbereitung wird auf dem "Krieß" eine  
           Jungrinderaufzuchtanlage für eine Kapazität von 2000 Kälbern und Jungrindern aufgebaut.

 

1974 -1976   wird beschlossen, den Ort Hörschel mit Neuenhof als Gemeindeverband zu bilden.

           Es herrscht ein Trockenjahr, das den Bach versiegen läßt, was noch niemals passiert

           war. Wasser mußte aus Eisenach zugefahren werden. Am "Pichkessel" wird ein neues

           Feuerwehrgerätehaus aufgebaut.

           Auf Beschluß des Rates des Kreises wird der Bauernwald vom Staatlichen Forstwirt-

           schaftsbetrieb übernommen und betrieben.

           Die ehemalige Baracke der Grenzpolizei brennt ab.

           Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft geht zum Typ III über. Sie verkauft ihre

           Kühe und mit dem Geld werden Kälber und Jungrinder eingekauft und in die neue Stallanlage

           eingestellt. Gleichzeitig schließt sie sich mit der LPG PFerdsdorf zusammen und heißt nun

           "Friedenswacht Neuenhof".

           Ein neuer Trinkwasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von eintausend Kubikmeter wird

           neben den alten Behälter gebaut und in Betrieb genommen.

 

1978   Die Feldwirtschaft wird als kooperative Abteilung Pflanzenproduktion aus dem gemeinsamen

           Prozeß herausgelöst und später als eigenständige Genossenschaft weiter betrieben.

 

1980   Die Warthaer Straße und die Waldstraße werden kanalisiert.Am "Langen Zug" vor dem Grund-

           teich wird zur Verbesserung der Wasserversorgung eine Tiefenbohrung niedergebracht.

           Die Rinderbestände werden leukosesaniert. Am 1. 6. entstehen in den Wäldern große Sturm-

           schäden. Viele Helfer aus der Gemeinde räumen den Wald mit auf.

 

1981  Am 12. und 13. März entstehen durch Hochwasser Dammbrüche und setzen die Werraaue

          unter Wasser. Ebenfalls am 10. und 12. August sind wiederum durch Hoch wasser

          Schlauchbooteinsätze zur Versorgung der Menschen nötig.

          Im Dezember bringen Sturmböen und Naßschnee den Wäldern unermeßlichen Schaden.

          Es beginnt der Aufbau der großartigen Autobahnbrücke über das Werratal. Zwischen

          Zickelsberg und Hörselberg arbeitet die Firma "Hoch Tief" an dem Bauwerk.

          In Pferdsdorf wird eine Betonmischanlage eingerichtet. Ihre Arbeiter sind in einem

          Lager in Stregda untergebracht.

 

1982  Im Januar ist wiederum Hochwasser und Überschwemmung.

          Am 11. 8. kommt es im Bergeraum der Jungrinderanlage zu einem Schwelbrand, der

          aber rechtzeitig bemerkt und gelöscht werden konnte.

          Der Park wird rekonstruiert, Wildwuchs beseitigt und Schneisen wieder frei gemacht.

          An das Feuerwehrgerätehaus wird als Anbau ein Sportlerheim errichtet. Die Initiatoren

          sind der Sportverein und die Feuerwehr.

 

1983  Am 23.07. kommt es wieder zu einem Brand in der Jungrinderanlage. Ein deformierter

          Lüfter zur Heutrocknung hatte Kontakt zum Gehäuse und Funken erzeugt. Es entseht

          großer Schaden.

          1983 war wieder ein Trockenjahr mit Wassermangel.

 

1984  Auf der Grundwiese unter dem Kirchtal wird eine Trafostation für die Wasserversor-

          gungsanlage errichtet. Dazu wird der Grund aufgegraben und die E-Leitung und

          Steueranlage verlegt. Anschließénd wird noch eine weitere Tiefenbohrung an der

          "Dürren Wiese" gebohrt und angeschlossen. Vorher war als Notübergangslösung

          die alte, vor dem Krieg angelegte, Tiefenbohrung der Autobahn in Hörschel zur Wasserversor-
          gung genutzt worden. Jedoch ein Salzwassereinbruch aus dem Grundwasserbereich der
         Werra  beendete diese Aktion.

          In Hörschel wird im "Klein Feldchen" ein 24-WE-Wohnblock gebaut und bezogen.

          Am 19. 12. 84 beginnt die Autobahnüberfahrt über die neue Werratalbrücke.

          Gleichzeitig nimmt die neue Grenzübergangsstelle Wartha auf dem Deubachshof

          ihren Betrieb auf. Die DDR-Presse würdigt dieses wichtige Ereignis mit keiner Silbe.

          Der Sommter in diesem Jahr ist ausgesprochen kühl, 2,2 Grad Celsius unter normal,

          am 12. 6. unter Null Grad.

 

1986  Vom 18. bis 20. Juli werden im Park unter der großen Anteilnahme der Bevölkerung

          die zweiten Kooperationsfestspiele durchgeführt.

 

1987  Die ehemaligen Eiskeller der Brauerei werden unter Schutz gestellt, da eine große

          Kolonie von Fledermäusen (Kleines Mausohr) dort lebt. Gleichzeitig werden die

          geologischen Naturdenkmale "Riffe und Kupferschieferband an der Alten Gemeinde"

          und der Erdfall auf der "Donnerkaute" unter Schutz gestellt.

          Neuenhof hat in diesem Jahr 570 und Hörschel 260 Bürger.

          Der Sportplatz erhält eine Beleuchtungsanlage und die Freiwillige Feuerwehr eine

          Funkanlage.

          Der Winter gehört zu den kältesten Wintern des Jahrhunderts. Vom 10. bis 12. Januar

          herrschten 30 Grad Kälte.

 

1988  Am 01. 12. kam es zu einer schweren Eisbruchkatastrophe in den Wäldern um Neuenhof.

 

1989  Am 13. 03. war ein Gebirgsschlag mit Erdbeben und Stärke 5,5 der Richterskala,

         hervorgerufen durch einen Einsturz im Kaliabbaugebiet Vacha, Merkers.In Neuenhof waren die

         Stöße heftig zu vernehmen.

         In der Hörscheler Kirche wird ein Friedensgebet vollzogen.

         Am 15. November wird die Grenze zwischen Wartha - Herleshausen geöffnet.

         Das Grenzsperrgebiet wird beseitigt.

         Am 27. 12. wird eine Holzbrücke über die Werra zwischen Lauchröden und Herleshausen

         gebaut und verbindet nun Thüringen und Hessen.

 

1990 Die Tradition des gesamten Rennsteiges von Hörschel an der Werra bis Blanken-

         stein zur Saale lebt wieder auf. Ein Faltblatt mit den fast vergessenen Daten im

         ehemaligen Sperrgebiet wird verfaßt und verbreitet. Hinweisschilder werden ge-

         schnitzt und aufgestellt. Im März leuchtet weithin an der ehemaligen Grenze ein durch

         Fahnen gekennzeichnetes Herz. Es gründet sich der Rennsteigverein in Hörschel.

         Am 06. Mai kommt es zur Kommunalwahl und am 30.Mai zur Konstituierung der neuen

         Gemeindevertretung. Der neue Bürgermeister Siegfried Lieske übernimmt sein Amt.

         Im Juli werden Informationen zum beabsichtigten Erdgasleitungsbau gegeben.

         Die Neueindeckung des Turnhallendaches der Schule Neuenhof wird durchgeführt.

         Die Hauptsatzung der Gemeinde wird neu erarbeitet und beschlossen. Ein neues

         Siegel der Doppelgemeinde mit dem Laubbaum für Neuenhof und der Fichte für

         Hörschel wird ebenfalls beschlossen. Im September werden die Sanierungsarbeiten

         an der Streckenführung der Eisenbahnverbindung Eisenach - Bebra begonnen.

         Die Brücke und die Stützmauer werden daniert. Von der Gemeinde wird ein Antrag

        zur Überlassung der ehemaligen Grenztruppenkaserne auf dem Ufer gestellt.

         Am 2. Oktober findet im Park eine Feierstunde zur Wiedervereinigung und auf dem

         "Großen Eichelberg" ein Freudenfeuer statt. Der Landtag des Landes Thüringen

         wird gewählt. Es wird mit der Firma Südhannover/Nordhessen über den Erdgasan-

         schluß verhandelt. Der Deutsche Bundestag wird gewählt. Abschluß eines Konzes-

         sionsvertrages für unsere Orte für die Gasversorgung.

         Die Einheit Deutschlands ist wieder hergestellt.

 

1991 Umstellung der Jagdausübung auf der Basis des Grundeigentums.

         Die alte Schule wird mit Heizung und Sanitäranlage versehen und zum Gemeindebüro

         umgestaltet. Im April beginnt eine umfassende Erneuerung der Schloßparkanlagen.

         Der 100. Todestag vom Parkgestalter Eduard Petzold wird mit einer Gedenktafeleinweihung

         und Feier gestaltet. Die Schulneueinteilung wird vorgenommen.

         Eine zweite Erdgastrasse wird neben der ersten verlegt. Die Feuerwehr wird zum Feuerwehr-

         verein e.V.  Das Landwirtschaftsanpassungsgesetz tritt in Kraft und die bisherigen 

         landwirtschaftlichen Produktionsgenossen schaften in Gesellschaften umgewandelt. Dabei

         werden viele Arbeitskräfte entlassen und in den Vorruhestand geschickt (von ehemals 125 in

         der Tierproduktion wurde auf 24 reduziert).

 

1992 Eine Bürgerbefragung zur Bildung einer Großgemeinde Stedtfeld bis Göringen wird

         durchgeführt. Ein Fremdenverkehrsverein Neuenhof wird am 25.März gegründet.

         Es kommt  zur Protestaktion gegen den Bau einer 380 KV-Elektrotrasse südlich

         von Neuenhof.

         Die Verkaufsstelle des Konsum wird im April geschlossen (Konkurs).

         Am 31. Mai wird die 1060-Jahrfeier des Ortes Hörschel begangen. Eine Fotoausstellung über

        "Alt-Hörschel"  wird in der Kirche gezeigt. Beides wurde vom Fremdenverkehrsverein vorbereitet

         und finanziert.

         Am 27. und 28. Juni findet in Neuenhof ein Sängerfest mit 16 Gastchören statt.

         Neuenhof ist an das Erdgasnetz angeschlossen.

         Beitritt der Gemeinde zum Kreiszweckverband Wasser/Abwasser .

         In die fertiggestellte Stützmauer am Bahnhof Hörschel ist das geologische Naturdenkmal als

         Fenster eingearbeitet worden.

         Die Wiederinbetriebnahme der Eisenbahnverbindung Gerstungen - Eisenach mit dem erneu-

         erten Bahnhof in Hörschel gestaltet sich zu einem Volksfest. Zugegen sind sie beiden

         Ministerpräsidenten von Thüringen, Vogel, und Hessen, Eichel.

         Die Neueindeckung des Turmes der Kirche von Neuenhof wird durchgeführt und die Spitze mit

         zwei neuen Windfahnen versehen.

 

 

 

 

 

 

 

Überarbeitung und Druck ,R.Schwanz,Neuenhof im Dezember 1995